Heute ist der 11. Mai 2026, und die Luft in Köln ist von einer besonderen Aufregung durchzogen. An diesem Tag hat die Oper Köln die deutsche Erstaufführung von George Benjamins Werk „Picture a day like this“ auf die Bühne gebracht. Es ist ein Stück, das bereits 2023 in Aix-en-Provence Premiere feierte und auch in London sowie Paris für Furore sorgte. Doch was erwartet die Zuschauer hier in der Domstadt?
Die Inszenierung ist eine internationale Koproduktion und beeindruckt durch ein Bühnenbild, das den Zuschauer in einen dunklen Raum mit spiegelnden Wänden in Metalloptik zieht. Hier, in dieser kalten und düsteren Atmosphäre, entfaltet sich die bewegende Geschichte einer Frau, die ihr Kind verloren hat. Ein Hinweis bringt sie auf die Spur, dass ihr Kind wieder leben wird, wenn sie „einem glücklichen Menschen einen Knopf vom Ärmel schneidet“. Mit dieser ungewöhnlichen Prämisse begibt sich die Protagonistin auf eine Reise, die sie auf die unterschiedlichsten Charaktere treffen lässt – von einem streitenden Liebespaar bis hin zu einem wahnsinnig gewordenen Handwerker.
Ein Kaleidoskop aus Emotionen
Die Handlung ist nicht nur spannend, sondern auch tiefgründig. Auf ihrem Weg begegnet die Frau Zabelle, einer Einbildung, die ihr einen Knopf schenkt. Am Ende ihrer Reise muss sie jedoch erkennen, dass Glück nicht existiert – eine Erkenntnis, die bei vielen Zuschauern nachwirken könnte. Die Inszenierung selbst bleibt kalt und dunkel, ohne eine klare Pointe oder einen Sinn zu vermitteln. Hier wird deutlich, dass die Regisseurin bei der Premiere nicht anwesend war, was sich auf die Darsteller auswirkte. Die Sängerinnen und Sänger scheinen manchmal nicht zu wissen, warum sie agieren, was eine gewisse Distanz zum Publikum schafft.
Die Körpersprache der Darsteller ist auffallend zurückhaltend. Sie kommunizieren mehr durch ihre Mimik als durch kraftvolle Gesten. Dennoch gibt es Lichtblicke: Adriana Bastidas-Gamboa als die Frau gibt musikalisch alles, ihr Gesang geht unter die Haut. Emily Hindrichs als Zabelle schafft es mit ihrer schwerelosen Stimme, das Publikum zu verzaubern. Besonders beeindruckend ist auch Elizabeth Reiter, die mit ihrem prägnanten Sopran als Liebende und Komponistin überzeugt. Cameron Shahbazi, der den Liebenden und Assistenten spielt, bringt mit seinem elegant geführten Countertenor eine gewisse Anmut in die Aufführung.
Musikalische Feinheiten und überragende Leitung
Die musikalische Untermalung unter der Leitung von Christian Karlsen, der das Gürzenich-Orchester Köln dirigiert, ist herausragend. Die rhythmisch geführten Cluster, gepaart mit geräuschnahen Klängen und feinen Nuancen, schaffen eine dichte Atmosphäre. Melodien sind eher selten und kommen nur kurz bei der Übergabe des Knopfes zum Tragen, was den Fokus auf die emotionalen und psychologischen Aspekte der Geschichte lenkt.
Die Kritik an der Aufführung zeigt sich in der Wahrnehmung, dass es der Inszenierung an Seele fehlt, trotz des überragenden Gesangs. Vielleicht ist es gerade diese Kälte, die die Zuschauer zum Nachdenken anregt. Eine interessante Facette, die das Publikum in der Oper Köln erleben konnte und die bei der Auswertung des Abends in Gesprächen sicher noch lange nachhallen wird. In Köln wurde heute nicht nur eine Oper aufgeführt; es war eine Reise in die Untiefen menschlicher Emotionen, die von den Darstellern und der Musik eindrucksvoll verkörpert wurde.