Heute ist der 10.05.2026, und das Neu-Ehrenfelder Un-Label Studio ist in hellem Licht erstrahlt. Carlie Schoonees, die gebürtige Südafrikanerin, die mittlerweile in Köln lebt, hat mit ihrer Komposition „I eat men like air“ ein echtes Statement gesetzt. Inspiriert von Sylvia Plaths kraftvollem Gedicht „Lady Lazarus“, bringt sie nicht nur ihre eigenen Erfahrungen als Autistin in die Musik ein, sondern beleuchtet auch die Themen der Behinderung und der Inklusion. An diesem besonderen Abend wird ihre Komposition von der talentierten portugiesischen Schlagzeugerin Rita Couto Soares aufgeführt – ein weiterer Beweis dafür, wie vielfältig Kunst sein kann.
Die Präsentation ist nicht einfach nur ein Konzert; sie markiert das Ende eines dreijährigen Projekts, das unter dem Namen „Labor für inklusive Kultur“ (L.I.K.) läuft. In den letzten 36 Monaten haben über 1.250 Menschen an mehr als 100 Veranstaltungen teilgenommen. Das Un-Label ist stolz darauf, der erste vollständig barrierefreie Ort für Kunst und Kultur in Köln zu sein, ausgestattet mit einem Braille-Drucker und Audiosystemen für taube Menschen. Diese technischen Details sind nicht nur Zahlen, sie stehen für die gelebte Inklusion, die hier stattfindet.
Ein Ort für alle
Das Un-Label Studio ist mehr als nur ein Veranstaltungsort. Es ist ein Raum für künstlerisches Lernen, Austausch und selbstgesteuertes Arbeiten in verschiedenen Disziplinen wie Theater, Tanz, Musik und Spoken Word. Das Programm „Inklusive KUNSTLABORE“ richtet sich an Menschen mit und ohne Behinderungen, die entweder neu in der Kunst sind oder bereits Erfahrung haben. Dabei werden die Teilnehmer von erfahrenen Mentoren unterstützt, die selbst Behinderungen haben. Dies schafft eine einzigartige Atmosphäre des Empowerments, die in der Kunstwelt leider oft fehlt.
Die Zielsetzung ist klar: Mehr Menschen mit Behinderungen sollen Zugang zu Kunst und Kultur bekommen und ihre Rolle als aktive Mitgestalter im Kulturbereich stärken. Die niederschwelligen, eintägigen Einführungsworkshops bieten eine hervorragende Möglichkeit, verschiedene Ausdrucksformen zu erkunden und das Vertrauen in die eigene Kreativität zu finden. Wer intensiver arbeiten möchte, kann an mehrtägigen Fachworkshops teilnehmen, die sich auf künstlerische Techniken und persönliche Positionen konzentrieren. Damit wird eine wichtige Lücke geschlossen, denn viele künstlerische Ausbildungsprogramme sind für Menschen mit Behinderungen oft schwer zugänglich.
Ein Blick in die Zukunft
Mit einem Budget von rund 500.000 Euro für Umbauten, technische Ausstattungen, Künstlerhonorare und Assistenzleistungen wurde hier Großes geschaffen. Unterstützt wird das Projekt von Förderern wie der Stiftung der Deutschen Fernsehlotterie und dem Kulturamt. Doch die Reise ist noch lange nicht zu Ende. Un-Label plant, das Projekt mit Einsteiger-Workshops und Profitrainings fortzuführen. Das Ziel ist klar: Die kulturelle Teilhabe stärken und Barrieren abbauen, um eine noch vielfältigere Kulturlandschaft zu fördern.
Die Abschlussfeier von L.I.K. ist also nicht nur ein Rückblick auf das Erreichte, sondern auch ein Ausblick auf das, was noch kommen wird. Die Kunst hat die Kraft, Menschen zu verbinden, und im Un-Label wird diese Kraft mit jedem neuen Projekt und jeder neuen Veranstaltung spürbar. Es ist eine Einladung, die Vielfalt und Kreativität in unserer Gesellschaft zu feiern – und das ist doch einfach nur geil!