Ehrenfelds Kneipen erheben die Stimme: Boykott gegen die WM 2026!
Es ist der 15. Juni 2026 und in Ehrenfeld, einem der lebhaftesten Stadtteile Kölns, liegen die Nerven blank. Während die Welt auf das erste Spiel der deutschen Mannschaft gegen Curaçao wartet, gibt es eine wachsende Bewegung in der Stadt, die mit dem Fußball-Weltmeisterschafts-Feeling so gar nichts anfangen kann. Immer mehr Kölner Kneipen, darunter das beliebte „Em Drügge Pitter“ (EDP), haben beschlossen, die Übertragung der WM 2026 zu boykottieren. Der Betreiber des EDP hat auf Facebook klipp und klar gesagt, dass sich die WM „falsch anfühlt“. Und das aus gutem Grund.
Die Kritik an der FIFA ist nicht neu, aber sie hat in den letzten Monaten an Schärfe zugenommen. Korruption, Kommerzialisierung und die zunehmende Entfremdung vom eigentlichen Fußball stehen im Raum. Die politische Lage in den USA, unter der Präsidentschaft von Donald Trump, wird von vielen als weiterer Grund für den Boykott genannt. Die Regelungen für die Übertragung der WM-Spiele sind ein weiteres Ärgernis: Gastronomen dürfen die Spiele nicht über die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF zeigen, die Rechte liegen exklusiv bei der Deutschen Telekom und Sky. Für Kneipen, die kein Sky-Business-Abo haben, bleibt nur der teure Gastro-Pass für 299 Euro – was das EDP entschieden ablehnt.
Solidarität unter den Kölner Kneipen
Doch das EDP ist nicht allein. Auch das Lotta und das Café Kult in der Kölner Südstadt haben ihre Unterstützung für den Boykott ausgesprochen. Diese Lokale richten ihre Kritik ebenfalls gegen die FIFA und die politische Situation in den USA. Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli, hat ebenfalls die Diskussion über die Menschenrechte und die Herausforderungen unter dem WM-Gastgeber angestoßen. Es ist ein Aufschrei der Solidarität, der durch die Kneipenlandschaft hallt.
Die FIFA selbst plant Rekordeinnahmen von neun Milliarden US-Dollar für die WM 2026. Das macht einen Boykott aus finanziellen Gründen problematisch. Historisch betrachtet haben qualifizierte Teams seit dem Zweiten Weltkrieg nie aus politischen Gründen eine WM abgesagt. Der DFB, der sich bisher politisch aus der Diskussion zurückgehalten hat, könnte bei einem Boykott mit hohen Geldstrafen und Ausschlüssen von zukünftigen Wettbewerben rechnen. Auch die UEFA und andere nationale Verbände äußern sich nicht zu Boykottfragen. In der deutschen Politik herrscht weitgehend Schweigen, während Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein die Autonomie des Sports betont.
Ein Ausblick auf die WM 2026
Die WM 2026 wird nicht nur in den USA, sondern auch in Kanada und Mexiko stattfinden. Die Herausforderungen, die mit dieser Veranstaltung einhergehen, sind vielfältig. Angriffe auf demokratische Grundsätze, Einwanderungspolitik und die Probleme mit Menschenrechten stehen auf der Tagesordnung. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat sich zu den Rahmenbedingungen kaum geäußert, während Rudi Völler betont, dass es „nur um Fußball geht“.
Die WM 2022 in Katar war für den DFB ein sportliches Debakel, und die Kritik an der FIFA hält an. Doch trotz aller Bedenken, trotz der politischen Diskussionen und der wachsenden Boykottbewegung bleibt der Fußball ein zentraler Bestandteil der Kultur. Die Kneipen in Köln zeigen, dass der Fußball auch eine Plattform für gesellschaftliche Themen ist und dass die Fans – und die Wirte – nicht einfach zuschauen können, wenn die Dinge nicht stimmen.
