In Köln-Ehrenfeld brodelt es – und zwar nicht nur in den Töpfen. Kalle Gerigk und seine Mitstreiter haben sich ein unbewohntes Haus in der Glasstraße 6 geschnappt und damit eine Art politisches Statement gesetzt. Sie grillen vegane Fischstäbchen, ein recht ungewöhnlicher Anblick vor einem leerstehenden Gebäude, das seit mindestens 2008 keinen Bewohner mehr gesehen hat. Mit diesem bizzaren Speiseangebot wollen sie nicht nur ein Zeichen für Wohnlichkeit setzen, sondern auch die Öffentlichkeit auf den Leerstand aufmerksam machen. Um ihre Botschaft zu verdeutlichen, prangt eine große Tafel mit der Aufschrift „Leerstand beenden“ an der Fassade des Hauses. Hier wird klar: Die Aktivisten sind entschlossen, den Missstand nicht länger hinzunehmen.
Die Stadt Köln sieht sich in einer Zwickmühle. Trotz des anhaltenden Wohnungsmangels und der drängenden Obdachlosigkeit gibt es offenbar keine Möglichkeit, auf die Eigentümer des Hauses Druck auszuüben. Diese sind eine zerstrittene Erbengemeinschaft, deren Mitglieder nicht einmal vollständig bekannt sind. Und während die Kölner Wohnraumschutzsatzung theoretisch gegen Eigentümer vorgehen könnte, die Wohnraum länger als drei Monate unvermietet lassen, greift sie nur, wenn die Wohnungen 2014 noch bewohnt waren. Ein rechtlicher Graubereich, der es den Aktivisten erleichtert, sich in diesem leerstehenden Raum niederzulassen.
Ein Blick ins Innere
Gerigk hat das Haus betreten und festgestellt: Es ist intakt, aber ein bisschen Renovierung könnte nicht schaden. Im Inneren riecht es nach dem alten Holz und der Staub der Jahre. Man könnte fast meinen, hier könnte bald wieder Leben einziehen. Komischerweise war die Polizei nicht zu der Aktion gerufen worden, obwohl Gerigk auf eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gehofft hatte – vielleicht, weil die Haustür weit offen stand und das Haus somit als potenzielle Zuflucht für Obdachlose dienen könnte. Es ist ein faszinierendes Bild: Auf der einen Seite die Aktivisten, die für Wohnraum kämpfen, auf der anderen Seite die Stadt, die im bürokratischen Dschungel gefangen ist.
Die Situation ist nicht nur in Köln brisant. Auch in anderen Städten wie Düsseldorf sind die Behörden gefordert, sich dem Wohnraummangel und der Zweckentfremdung von Wohnraum zu stellen. Eine Satzung zum Schutz und Erhalt von Wohnraum wurde dort am 10.03.2022 beschlossen und zielt darauf ab, Wohnraumversorgung zu gewährleisten und ungenehmigte Zweckentfremdung zu verhindern. Die Regelungen sind klar: Wer seinen Wohnraum mehr als sechs Monate leer stehen lässt, muss mit einer Anzeige rechnen. Und Verstöße können sogar mit Geldbußen bis zu 500.000 € geahndet werden. Ein harter Kurs, der für viele Eigentümer eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen kann.
Die Aktivisten und ihr Ziel
Gerigk ist sich der Herausforderungen bewusst. „Ich akzeptiere den Leerstand von weiteren zehn Jahren nicht“, sagt er und zeigt Entschlossenheit. Mit der Aktion wollen er und seine Mitstreiter nicht nur auf die Missstände aufmerksam machen, sondern auch eine Diskussion über Wohnraum und dessen Nutzung anstoßen. Ein Kamerateam von Spiegel TV dokumentiert die Aktion, und die Bilder werden sicher einige Wellen schlagen. Die Frage bleibt, ob der Druck, den die Aktivisten ausüben, auch zu einer tatsächlichen Veränderung führen kann oder ob die Stadt weiterhin in ihrer Ohnmacht gefangen bleibt.
So stehen die Zeichen in Ehrenfeld auf Veränderung – oder vielleicht auch auf ein kleines Grillfest. Die Mischung aus Aktivismus, kulinarischem Experiment und der Hoffnung auf ein Zuhause lässt die Menschen hier nicht kalt. Und es bleibt spannend, wie sich die Situation um das leerstehende Haus in der Glasstraße entwickeln wird. Die Zeit wird es zeigen.