Das Geheimnis der Haarwerkstatt: Ein Stück Heimat in Ehrenfeld
In Ehrenfeld, wo das Leben pulsiert und die Straßen Geschichten erzählen, wird seit 30 Jahren die „Haarwerkstatt“ an der Venloer Straße 294 betrieben. Hier schwingt nicht nur die Schere, hier wird auch die Lebensfreude zelebriert! Rund 200 Stammkundinnen und -kunden haben das Jubiläum mit Champagner und einem köstlichen Buffet gefeiert. Die Friseurmeisterin Graziella Brundo, die als Kind mit ihrer Familie von Sizilien nach Köln kam, hat es geschafft, diesen Ort zu einem kleinen Stück Heimat für viele zu machen.
Mit einem Lächeln und einem offenen Ohr empfängt Brundo ihre Gäste. Hilla Allemand, eine treue Kundin, hebt die persönliche Ansprache hervor, die das Gefühl vermittelt, mehr als nur eine Nummer zu sein. „Man fühlt sich hier einfach wohl“, merkt sie an. So verwundert es nicht, dass Gabriele Hufnagel-Mertens, die seit 30 Jahren treu ist, nur einmal während einer Indien-Reise fremdgegangen ist – und das in Sachen Frisur! Auch Monika Stein aus Weidenpesch hat ihre „Abenteuer“ in Neuseeland und ein wenig Zahnschmerzen darüber, dass man manchmal auch woanders einen Haarschnitt wagt.
Tradition trifft Wandel
Graziella Brundo hat nicht nur diesen einen Salon, sondern eröffnete in den 90ern gleich vier weitere in Köln, die jedoch 2005 geschlossen wurden, als sie sich von ihrem Geschäftspartner trennte. Die „Haarwerkstatt“ hat sich seither inmitten der Veränderungen in der Venloer Straße behauptet. Hier überstanden sie die Schließungen vieler inhabergeführter Geschäfte und die Zunahme von Barbershops. „Die sind für mich keine Konkurrenz“, versichert Brundo, „da es da meistens um Bärte geht und unsere Kunden sind schließlich meist Frauen!“
Die Preise im Salon liegen im mittleren Segment – ein echter Vorteil in einem Stadtteil, der für seinen Zuzug kaufkräftiger, jüngerer Menschen bekannt ist. Und ja, Männer sind auch unter den Gästen: Geschätzt 40-50% der Kundschaft sind mittlerweile Männer, die immer anspruchsvoller in Sachen Körper- und Haarpflege werden. In den letzten Jahrzehnten hat sich da einiges geändert – da wird nicht nur das Haupt in Form gebracht, sondern auch der Bart gestylt.
Herausforderungen und Zukunftspläne
Die Pandemie hat auch vor der „Haarwerkstatt“ nicht Halt gemacht. Lockdowns und abgesagte Weihnachtsgeschäfte waren herausfordernd, doch nach den harten Zeiten erlebte der Salon einen regelrechten Ansturm. „Das hat uns irgendwie zusammengeschweißt“, erzählt Brundo und lächelt. Heute beschäftigt sie drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und plant, noch eine Weile weiterzumachen. Sie hat sogar das Vorhaben, ein Buch über die Geschichten der „Haarwerkstatt“ zu schreiben – was für eine Idee!
Die Friseurbranche in Deutschland ist im Umbruch. Aktuell gibt es zwischen 85.000 und 90.000 Friseursalons, viele davon Kleinstbetriebe. Die Zahl der Friseurmeister:innen sinkt, und die Anzahl der Auszubildenden hat in den letzten Jahren drastisch abgenommen. Immer mehr Salons setzen auf kleinere, spezialisierte Konzepte, während klassische Großsalonstrukturen verschwinden. Die Digitalisierung nimmt zu, und immer mehr Salons bieten Online-Terminbuchungen an. Die „Haarwerkstatt“ hat sich dabei gut behauptet und bleibt ein beliebter Anlaufpunkt – ein Ort, an dem man nicht nur einen Haarschnitt, sondern auch Gemeinschaft und Wärme findet.
