Der Bahnhof Ehrenfeld in Köln ist in letzter Zeit nicht gerade durch positive Schlagzeilen aufgefallen. Nach einem brutalen Angriff auf einen Mitarbeiter des Ordnungsamtes, bei dem eine psychisch verwirrte Frau ihn Anfang April 2023 mit Benzin überschüttete, stehen die Sicherheitszustände in und um den Bahnhof verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit. Anwohner berichten von unsicheren Verhältnissen, die sich in Drogenkonsum und Urinieren in Hauseingängen äußern. Viele empfinden den Bahnhof als Schandfleck und im Stationsbericht 2025 belegt er einen der letzten Plätze unter insgesamt 195 Bahnhöfen.
Die Kriminalität im Umfeld des Bahnhofs ist seit längerem ein Thema. Der sogenannte „Masterplan Sicherheit“, der Ende 2024 vorgestellt wurde, soll dem entgegenwirken. Dieser enthält Empfehlungen für eine bessere Beleuchtung, mehr Sauberkeit und zusätzliches Sicherheitspersonal. Die Stadtverwaltung hat zwar schon einige Maßnahmen umgesetzt, doch viele Anwohner fühlen sich weiterhin unsicher und berichten von Diebstählen oder bedrohlichen Situationen. Offizielle Polizeizahlen zeigen jedoch einen Rückgang der Straftaten: Seit Jahresbeginn 2024 wurden etwa 60 Straftaten registriert, im Vergleich zu über 100 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Bundespolizei stuft den Bahnhof nicht als besonders gefährdet ein, was die Deliktszahlen betrifft.
Kölner Kriminalitätsentwicklung
Die allgemeine Kriminalität in Köln hat im Jahr 2023 einen Anstieg verzeichnet. Die Straßenkriminalität stieg um 10%, während die Jugendkriminalität um 5% zulegte. Insgesamt gab es einen Anstieg von 6% der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr und sogar 12% im Vergleich zu 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde der „Masterplan Sicherheit“ ins Leben gerufen, der auf einer detaillierten Analyse der Kriminalitätslage in Köln basiert. Ein 270-seitiger Abschlussbericht liegt nun vor, der durch Polizei, das Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit (ZKS) sowie andere Institutionen erstellt wurde.
In Ehrenfeld wurden besonders die Straßen und Plätze rund um den Bahnhof untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die gelegentliche hohe Straftatenrate vor allem an Party-Hotspots am Wochenende zu beobachten ist. Zudem fühlen sich viele Menschen, insbesondere Frauen, rund um den Bahnhof unsicher. Verschmutzung und der Mangel an einladenden Aufenthaltsorten tragen zur Unsicherheit bei. In einer Umfrage gaben einige Anwohner an, dass sie von Diebstählen betroffen waren, während andere keine Sicherheitsprobleme wahrnehmen.
Maßnahmen und Empfehlungen
Die Handlungsempfehlungen aus dem Bericht beinhalten nicht nur Verbesserungen in der Ausleuchtung und Sauberkeit, sondern auch die Durchführung kriminalpräventiver Kampagnen an Schulen. Zudem wird mehr Sicherheitspersonal, insbesondere rund um Bahnhöfe, gefordert. Für den Bahnhof Ehrenfeld sind Aufwertungsmaßnahmen geplant, die ein neues Nutzungs- und Gestaltungskonzept beinhalten. Auch städtebauliche Maßnahmen wie breitere Fußwege und eine Ausdehnung der Einbahnstraßenregelung sind Teil des Plans.
Die Stadt Köln hat mit dem Masterplan Kommunale Sicherheit (MaKoS) ein Frühwarnsystem etabliert, um Strategien zur Erhöhung der objektiven Sicherheit und der subjektiven Sicherheitswahrnehmung zu entwickeln. Die Evaluierung der Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen soll in den nächsten Jahren regelmäßig erfolgen. Diese Schritte sollen sicherstellen, dass gefährdete Quartiere wie Ehrenfeld nicht in Vergessenheit geraten und die Sicherheit der Anwohner kontinuierlich verbessert wird.
Insgesamt bleibt abzuwarten, ob die Maßnahmen des Masterplans Wirkung zeigen werden und ob die Anwohner in Zukunft ein sichereres Gefühl im und um den Bahnhof Ehrenfeld haben werden. Die Herausforderungen sind groß, doch die ersten Schritte in die richtige Richtung sind bereits gemacht.