Die Politiker: Ein experimentelles Theatererlebnis in Stuttgart
Heute, am 19. Juni 2026, wird in Stuttgart ein spannendes Kapitel des zeitgenössischen Theaters aufgeschlagen. Das Schauspiel Stuttgart bringt das Stück „Die Politiker“ von Wolfram Lotz auf die Bühne. Ein Ereignis, das nicht nur die Theaterwelt aufhorchen lässt, sondern auch die Rückkehr in die „Bundesliga“ des Theaters anstrebt, nach durchwachsenen Spielzeiten. Die Uraufführung von „Sommersonnenwende“ fand erst zwölf Tage zuvor statt, und schon folgt nun dieses experimentelle Stück, das seit seiner Premiere am Deutschen Theater Berlin vor sieben Jahren oft nachgespielt wurde.
Wolfram Lotz, geboren 1981 in Hamburg und aufgewachsen im Schwarzwald, ist nicht nur ein Dramatiker, sondern auch ein Lyriker und Hörspielautor. Er hat sich durch Werke wie „Der große Marsch“ und „Einige Nachrichten an das All“ einen Namen gemacht. Mit „Die Politiker“ zeigt er erneut, wie sehr er die Grenzen des Theaters sprengen kann. Der Text wird als Sprechtext, sogar als Sprechgedicht und Monolog klassifiziert – eine Form, die alles andere als konventionell ist.
Die Inszenierung
Regisseur Alexander Eisenach hat sich mit vier Schauspielern, Anke Schubert, Sylvana Krappatsch, Felix Strobel und Pauline Grossmann, zusammengetan, um dieses Stück zum Leben zu erwecken. Die Inszenierung hebt sich von früheren Versionen ab, die oft mit einer größeren Besetzung arbeiteten. Doch hier wird der Text – eine Art Partitur – zum Hauptakteur, in der es keine traditionellen Rollen oder Dialoge gibt. Stattdessen nutzt Lotz eine experimentelle Form der Lautdichtung. Eisenach sieht den Text als musikalisches Stück, in dem Klang und Rhythmus die Hauptrollen spielen.
Die Aufführung dauert 1 Stunde und 20 Minuten – und das ohne Pause! Man könnte sagen, es ist ein kompaktes Erlebnis, das den Zuschauer ganz in seinen Bann zieht. Zu den weiteren kreativen Köpfen hinter dieser Inszenierung gehören Stella Lennert, die die Bühne gestaltet hat, Claudia Irro für die Kostüme, und Benedikt Brachtel sowie Sven Michelson, die die Musik beisteuern. Oliver Rossol bringt mit seinen Videos visuelle Elemente ins Spiel, während Rudolf Schlegel das Licht in ein spannendes Spiel verwandelt. Dramaturgin Gwendolyne Melchinger sorgt dafür, dass alles harmonisch zusammenfließt.
Ein Blick auf Wolfram Lotz
Laut Lotz begann der kreative Prozess für „Die Politiker“ im Jahr 2018 mit einem „Totaltagebuch“, das er jedoch 2019 wieder löschte – ein mutiger Schritt, der zeigt, wie flüchtig kreative Ideen sein können. Er selbst beschreibt das Tagebuch als sein Hauptwerk. Lotz‘ Stil wird oft mit den narrativierenden Techniken von Bertolt Brecht in Verbindung gebracht. Brecht wollte, dass das Publikum über das Gesehene nachdenkt und nicht einfach mitfühlt. Diese Philosophie wird auch in „Die Politiker“ deutlich, denn es geht nicht um Illusion, sondern um die bewusste Auseinandersetzung mit der Realität.
Das experimentelle Theater, das Lotz’ Werk prägt, hat sich seit dem 20. Jahrhundert entwickelt und stellt die konventionellen Theaterformen in Frage. Es ist eine Art der Kunst, die den Zuschauer aktiv einbindet und zum Nachdenken anregt. Werke wie „Über das epische Theater“ von Brecht sind perfekte Beispiele dafür, was Lotz mit seinem eigenen Schaffen erreichen möchte.
Und so wird „Die Politiker“ in Stuttgart nicht nur eine Aufführung sein, sondern ein Experiment, eine Reise in die Tiefen der Sprache und des Theaters. Ein Stück, das vielleicht selbst die Zuschauer dazu bringt, ihre eigenen Gedanken über die Welt der Politik und darüber, was Theater eigentlich sein kann, zu reflektieren. Bleiben wir gespannt auf die Reaktionen und die Emotionen, die diese Inszenierung hervorrufen wird!
