Die Handwerkslandschaft in Köln präsentiert sich aktuell als ein Spiegelbild ambivalenter Gefühle. Eine aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Köln, veröffentlicht am 23. April 2026, zeigt, dass die Geschäftslage der Betriebe in der Domstadt stabil ist, jedoch mit einem besorgniserregenden Trend nach unten. Während 32% der Betriebe ihre Lage als gut bewerten, sehen 47% sie als befriedigend und 21% als schlecht. Kammer-Präsident Thomas Radermacher beschreibt die Situation als eine stabile Seitwärtsbewegung, die jedoch leicht nach unten tendiert. Diese Einschätzungen werfen ein Licht auf die Herausforderungen, mit denen viele Handwerksbetriebe konfrontiert sind.
Die Gründe für die Verschlechterung sind vielfältig: sinkende Nachfrage und steigende Energiekosten setzen insbesondere dem Lebensmittelgewerbe sowie dem Bau- und Ausbauhandwerk zu. Trotz dieser Schwierigkeiten wird die Lage in der Region Köln insgesamt als vergleichsweise stabil wahrgenommen. Die hohe Kaufkraft und der gelungene Mix aus Industrie und Gewerbe sorgen dafür, dass Köln im bundesweiten Vergleich relativ gut abschneidet.
Ein Blick auf die Zahlen
<pIm Herbst 2025 stellte sich die Handwerkskonjunktur im Kammerbezirk Köln robust, jedoch ohne klare positive Dynamik dar. Rund 1.000 Betriebe nahmen an der Herbst-Konjunkturumfrage teil. Hierbei bewerteten 39% ihre Geschäftslage als gut, während 43% sie als befriedigend und 18% als schlecht einstuften. Der Geschäftsklimaindex lag bei 107 Punkten und zeigte einen Rückgang um 4 Punkte im Vergleich zum Vorjahr. Besonders das Kfz-Gewerbe und der gewerbliche Bedarf verzeichneten eine moderate Verbesserung, während das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe sowie personenbezogene Dienstleistungen schlechtere Bewertungen abgaben.
Die Umsatz- und Auftragseingänge zeigen rückläufige Tendenzen: 42% der Betriebe berichteten von sinkendem Umsatz, und 40% verzeichneten eine abnehmende Nachfrage. Diese Rückgänge sind alarmierend, besonders wenn man bedenkt, dass 80% der Handwerksbetriebe in den letzten fünf Jahren keine öffentlichen Aufträge beantragt haben – hauptsächlich aufgrund des bürokratischen Aufwands. Im Hinblick auf die Zukunft erwarten 17% der Betriebe eine Verbesserung, während 61% von einer unveränderten Lage und 22% von einer Verschlechterung ausgehen.
Herausforderungen und Chancen für die Zukunft
Die Konjunkturaussichten im Handwerk haben sich leicht verbessert, dennoch bleibt die Auftragslage angespannt. Positive Trends im Baugewerbe, unterstützt durch Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank, könnten ein Lichtblick sein. Öffentliche Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur sollen zunehmen, auch wenn sofortige Effekte noch auf sich warten lassen. Die Herausforderungen wie hohe Zölle auf deutsche Exporte in die USA bleiben bestehen, was die Unsicherheit im Markt erhöht.
Eine vorsichtige Optimismus ist dennoch spürbar. Aktuell bewerten 40% der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, und 44% als befriedigend. Die Kapazitätsauslastung hat zwar zugenommen, jedoch bleibt die Auftragslage unzureichend. Bei den Beschäftigungsplänen zeigen sich leichte Verbesserungen: 12% der Betriebe planen eine Personalaufstockung, während 14% Personalabbau in Erwägung ziehen. Dies deutet auf eine gewisse Stabilität hin, auch wenn der Druck auf die Unternehmen spürbar bleibt.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Kölner Handwerk vor einer Herausforderung steht, die sowohl Risiken als auch Chancen birgt. Die Akteure müssen sich auf die wechselhaften Rahmenbedingungen einstellen und bereit sein, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, um auch in Zukunft bestehen zu können.