In Köln-Merkenich wird ein bedeutendes Projekt zur nachhaltigen Abfallbewirtschaftung Realität: Der symbolische Spatenstich für eine Klärschlammverbrennungsanlage markiert den ersten konkreten Schritt zur Umsetzung der Pläne, die bereits seit Beginn des Jahrzehnts im Gespräch sind. Holger Pöttmann, Geschäftsführer der KLAR GmbH, begrüßte vor kurzem Vertreter der beteiligten Kommunen und Gesellschaften, die gemeinsam an diesem zukunftsweisenden Vorhaben arbeiten.

Die neue Anlage wird Klärschlamm aus der Kölner Kläranlage in Stammheim, aus Bonner Kommunen und kleineren Städten der Umgebung verbrennen. Damit werden insgesamt zwei Millionen Einwohner in der Region versorgt. Die Kapazität der Anlage beträgt jährlich 39.000 Tonnen getrockneten Klärschlamm, was eine nachhaltige Lösung für das Klärschlamm-Management darstellt. Zudem ist dies der erste Schritt in Richtung Phosphor-Recycling, das nach einem neuen Gesetz ab 2029 für alle Kommunen verpflichtend wird.

Phosphor als wertvolle Ressource

Phosphor ist ein essenzieller Rohstoff für die Düngemittelproduktion, dessen natürliche Vorkommen zur Neige gehen. Die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm wird entscheidend sein, um Deutschland unabhängiger vom Weltmarkt zu machen. Der Zusammenschluss der beteiligten Kommunen und der Standort in Merkenich sind dabei von großer Bedeutung für einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage. Die Diskussion um den Standort war nicht ohne Kontroversen; Bezirksbürgermeister Daniel Kastenholz betonte die Notwendigkeit, die Anwohner vor Emissionen, Lärm und Lieferverkehr zu schützen.

Ein weiterer Aspekt, der die Rückgewinnung von Phosphor betrifft, ist die Klärschlammverordnung (AbfKlärV), die 2017 neu gefasst wurde. Ab 2029 müssen alle Kläranlagen Phosphor aus Klärschlamm zurückgewinnen, um die Ausbringung von phosphorhaltigem Klärschlamm als Dünger zu vermeiden. Dieser enthält häufig Schadstoffe, die der Umwelt schaden können. Die Rückgewinnung wird als ressourcenschonend und ökologisch eingestuft, auch wenn es Unklarheiten über die Refinanzierung der Kosten gibt. Doch ein Gutachten des Umweltbundesamtes bejaht die Gebührenfähigkeit der P-Rückgewinnung, was für die Kommunen von großer Bedeutung ist.

Ein Blick in die Zukunft

Die Eröffnung der modernsten Anlage zur Phosphorrückgewinnung in Altenstadt, Oberbayern, am 16. Oktober 2025, zeigt, dass innovative Technologien bereits in der Praxis umgesetzt werden. Diese Anlage wandelt Klärschlamm in hochwertigen Dünger um und wurde von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) entwickelt. Das Verfahren, das hier zum Einsatz kommt, könnte auch für die künftige Entwicklung der Merkenicher Anlage wegweisend sein.

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In Altenstadt wird jährlich bis zu 50.000 Tonnen getrockneter Klärschlamm verarbeitet, was die Produktion von 15.000 Tonnen hochwirksamer Phosphatdünger ermöglicht. Dieses Modell könnte als Beispiel für andere Regionen dienen und zeigt, wie wichtig die Kreislaufwirtschaft für die Phosphorversorgung in Deutschland ist. Die Rückgewinnung von Phosphor wird nicht nur die Abhängigkeit von importiertem Rohphosphat verringern, sondern auch einen geschlossenen Stoffkreislauf schaffen, der für die Zukunft unserer Landwirtschaft von großer Bedeutung ist.

Die Klärschlammverbrennungsanlage in Merkenich ist somit nicht nur ein lokales Projekt, sondern ein entscheidender Beitrag zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Zukunft in Deutschland.