Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart: Ein Jubiläum der Begegnungen und der Demokratie
In Stuttgart-Hohenheim fand kürzlich eine ganz besondere Festveranstaltung statt: Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurde nicht nur gefeiert, sondern auch nachdenklich diskutiert. Winfried Kretschmann, der Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, war mit von der Partie und ließ es sich nicht nehmen, die Akademie als einen unverzichtbaren Ort für den innerkirchlichen Dialog zu würdigen. Er sprach von der Akademie als einem „Nervensystem der Demokratie“, das es braucht, um auch in turbulenten Zeiten einen intakten öffentlichen Raum für den Austausch über Konfliktthemen zu schaffen. Es ist irgendwie beruhigend, dass es solche Orte gibt, wo Menschen sich begegnen und offen über alles Mögliche reden können.
Diese Akademie hat sich als idealtypischer Ort für Begegnungen etabliert. Kretschmann, der auch als Kuratoriumsmitglied der Akademie agiert, lobte die „religiöse Resonanzerfahrung“, die sie bietet. Sie inspiriert nicht nur die Gesellschaft, sondern liefert auch Impulse für ein zeitgemäßes Christsein, das im Dialog und in Eigenverantwortung verankert ist. Ein ganz schön wichtiger Aspekt, wenn man bedenkt, in welchem gesellschaftlichen Klima wir uns derzeit bewegen. Bischof Klaus Krämer von Rottenburg-Stuttgart ergänzte Kretschmanns Gedanken und bezeichnete die Akademie als eine unverzichtbare kirchliche Stimme. In Zeiten, in denen Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt auf der Kippe stehen, sind solche Stimmen Gold wert.
Ein Fest der Begegnungen
Im Jahr 2026 steht ein weiteres Jubiläum an! Am 17. März wird die Akademie ihr 75-jähriges Bestehen mit einer großen Veranstaltung von 11 bis 16 Uhr feiern. Unter dem Motto „Anschluss verloren? Wie die Zukunft der Kirchen in Gesellschaften der Zukunft gelingt“ werden hochkarätige Gäste erwartet: neben Ministerpräsident Kretschmann werden auch Bischof Dr. Klaus Krämer, Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl und Prof. Dr. Michael Seewald auf der Bühne sein. Man darf gespannt sein, welche Impulse diese Runde den Teilnehmenden mit auf den Weg geben wird.
Der Festakt am 25. Juni 2026 ab 15:30 Uhr im Tagungshaus Hohenheim verspricht ebenfalls spannende Einblicke in die Arbeit der Akademie. Hier wird es nicht nur um alte Bekannte gehen, sondern auch um neue Gesichter, die frischen Wind und Perspektiven mitbringen könnten. Wenn man überlegt, welche Entwicklung die Akademie in der Vergangenheit genommen hat, ist es aufregend zu sehen, wie sie sich auch in Zukunft positionieren wird.
Die Kirche als Stimme der Demokratie
In einem größeren Kontext betrachtet, wird klar, dass die Akademie nicht nur eine lokale Institution ist, sondern Teil einer größeren Bewegung innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. Beate Gilles, die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, hat kürzlich betont, dass die Kirche sich heute als Stütze und Verteidigerin der Demokratie sieht. Mit ihrem Engagement in der politischen Bildungsarbeit und der Seelsorge leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der demokratischen Strukturen in unserer Gesellschaft.
Die katholische Kirche hat sich zwar historisch schwergetan mit den Prinzipien der Demokratie, doch sie entwickelt sich weiter. Die katholische Soziallehre bietet Leitlinien, die für ein funktionierendes gesellschaftliches Miteinander essenziell sind. Werte wie Personalität, Solidarität und Gemeinwohl sind nicht nur schöne Worte, sondern sollten auch im Alltag gelebt werden. Das Engagement der Kirche, auch und gerade für die Schwächsten in der Gesellschaft, zeigt, dass es darum geht, Brücken zu bauen und Räume der Begegnung zu schaffen.
In Zeiten, in denen Extremismus und gesellschaftliche Spannungen zunehmen, ist die Stimme der Kirche notwendiger denn je. Sie ist gefordert, klare Positionen zu beziehen und für eine menschenfreundliche Welt einzutreten. Der Aufruf zum Dialog und zur Begegnung wird immer wichtiger, und die Akademie in Stuttgart-Hohenheim könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen.
